Meerwasseraquarium in der Kritik

Meerwasseraquarium und Kritik

Wie man ein verantwortungsvoller Meerwasser-Aquarianer ist

 Meerwasseraquarium in der Kritik ? Die Meerwasser-Aquaristik hat nicht den besten Ruf:

Außenstehende kritisieren die Naturentnahmen von Fischen und Korallen und immer wieder werden angeblich hohe Todesquoten beim Zierfischtransport gemeldet.

Sogar im Bundestagswahlkampf war der Verkauf von exotischen Tieren ein Thema.

Ist unser Hobby in Gefahr?

Vor Kurzem sendete eine Zeitung einen Podcast, in dem eine absurd hohe Zahl tödlicher Ausfälle beim Transport von Meerwasserfischen genannt wurde – diese Sendung wurde zur meistgehörten Folge in der betreffenden Woche.

Berichte wie dieser zeichnen von der Meerwasser-Aquaristik ein völlig falsches Bild und die Folge davon ist: Das  Meerwasseraquarium in der Kritik.

 

Temperatur im Meerwasseraquarium

 

Wir selbst haben bei Direktimporten von Meerwasserfischen immer wieder festgestellt, dass die Ausfallquote unter zwei Prozent liegt.

In den letzten Jahren sind die Todesquoten bei Fischimporten durch bessere Verpackungs- und Versandmethoden deutlich gesunken.

Trotzdem: Es bleiben am Ende doch Wildfänge, sprich Naturentnehmen, die in unseren Aquarien schwimmen.

Als Meerwasser-Aquarianer sollten wir uns dafür einsetzen, unser Hobby nachhaltiger zu machen, und das nicht nur, um Sanktionen zu verhindern.

Dabei geht es auch immer um die Frage, wie wir den Tieren im Aquarium gerecht werden können.

 

 

Meerwasseraquarium in der Kritik: Was ist artgerechte Haltung?

Ich frage mich, ob das überhaupt geht: Kann ein Tier, das aus der „Wildnis“ kommt, in einem Aquarium oder einer Wohnung artgerecht gehalten werden, also wie in seinem natürlichen Umfeld?

Wahrscheinlich eher nicht.

Trotzdem können wir Meerwasser-Aquarianer den Bewohnern die besten Rahmenbedingungen bieten, indem wir optimale technische Voraussetzungen schaffen und eine vernünftige Pflege sicherstellen.

 

Die möglichst artgerechte Haltung beginnt aber schon bei der Auswahl der Meerwasserfische im Geschäft:

 

 

Größe der Fische

Die Endgröße der Fische (also im ausgewachsenen Zustand) muss zur Größe des Aquariums passen.

Das klingt banal, aber wir bekommen immer wieder Anfragen, ob wir zu groß gewordene Doktor- oder Kaiserfische aufnehmen würden.

Wenn Fische zu groß für das Aquarium sind, können sie aggressiv werden und die anderen Bewohner stressen.

 

Meerwasseraquarium in der Kritik

Pomacanthus Imperator

 

 

Sozialverhalten der Fische

Ein weiterer Faktor ist das Sozialverhalten der Fische.

So sind dominante Arten wie beispielsweise Acanthurus sohal in den meisten Aquarien auf die Dauer ein Stressfaktor.

 

Meerwasseraquarium in der Kritik

Acanthurus sohal

 

 

Anfälligkeit für Krankheiten

Außerdem sollte man bei der Auswahl der Fische beachten, wie robust sie gegen Krankheiten sind.

Manche Arten sind extrem empfindlich, zum Beispiel A. achilles, A. leucosternon oder A. japonicus – damit tut man sich keinen Gefallen.

Es gibt sicherlich immer wieder Aquarien, in denen diese Tiere erfolgreich gehalten werden.

Das ist aber eher die Ausnahme – die Mehrzahl dieser Tiere wird krank und stirbt.

Natürlich sollte bei der Auswahl auch der Verkäufer beraten und ggf. von einem Kauf abraten, wenn der betreffende Fisch nicht ins Aquarium des Kunden passt.

Bei optimalen Haltungsbedingungen werden Fische häufig viel älter als im Meer. Unter unseren Kunden sind zum Beispiel einige Meerwasser-Aquarianer, deren Clown- oder Doktorfische 25 Jahre und älter sind.

 

 

Meerwasserfische aus Nachzuchten

 Natürlich möchten wir trotz stärkerer staatlicher Reglementierung unser Hobby weiter betreiben.

Die meisten  Meerwasser-Aquarianer wünschen sich ohnehin eine zukunftssichere und ressourcenschonende Meerwasser-Aquaristik – da ist die Nachzucht von Meerwasserfischen und Korallen der nächste zwingende Schritt.

 

Viele der im Handel angebotenen Korallen und Muscheln kommen bereits aus Nachzuchten und erfreulicherweise auch immer mehr Meerwasserfische.

Weltweit entstehen sogenannte Nachzuchtfarmen, in denen Meerwasserfische in großen Mengen nachgezüchtet werden.

In Deutschland halte ich die Entstehung von Nachzuchtfarmen nicht für besonders realistisch, da die hohen Energie- und Personalkosten im Vergleich zum Ausland das Ganze unwirtschaftlich machen.

Ich selbst hatte eine Anfrage, an einem solchen Nachzuchtprojekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten mitzuwirken.

Leider musste ich schweren Herzens aus Zeitgründen absagen.

In solchen Farmen gibt es zwei Arten der Vermehrung:

Die tatsächliche Nachzucht von Fischen und das Aufziehen von im Meer gefangenen Fischlarven.

Häufig werden u.a. Anemonenfische, Chromis, Demoiselle, Kaudernis und Fridmani gezüchtet. Auch bei Kaiser- und Doktorfischen gibt es Erfolge.

 

Meerwasseraquarium in der Kritik

schwarzer Anemonefisch

 

 

Meerwasseraquarium in der Kritik: Vorteile von Nachzuchten

Ein Vorteil von Nachzuchttieren ist, dass diese von Anfang an futterfest in den Handel kommen und dadurch in der Eingewöhnung wesentlich leichter und stabiler sind.

Nachzuchtfische haben wie Nachzuchtkorallen oft einen höheren Preis als Wildfänge. Trotzdem sollte jeder verantwortungsbewusste Meerwasser-Aquarianer hier im Sinne der Nachhaltigkeit entscheiden.

 

Werden Nachzuchttiere erfolgreich verkauft, lohnt sich das Geschäft für die Farmen und es werden mehr Nachzuchten angeboten – und weniger Tiere wild gefangen.

Auch Wildfänge werden im Preis steigen, wenn die gesetzlichen Beschränkungen für ihre Einfuhr weiter verschärfen werden.

 

 

Nachteile von Nachzuchten

Nachzuchten haben aber meiner Meinung nach auch einen großen Nachteil:

Die Zucht von sogenannten Designerclownfischen wie z. B. Picasso, Platin oder Snowflake ist eine Gratwanderung. 

Das sehen wir an der Süßwasser-Aquaristik, wo Lebengebärende wie Guppys in unzähligen Farb- und Flossenformen gezüchtet wurden.

Das Ergebnis war, dass aus den inzüchtigen Kreuzungen kurzlebige Kreaturen herauskamen – bei einer Art, die ehemals leicht zu halten war. Zu ambitionierte Fischzucht kann also schnell nach hinten losgehen.

Damit sich die Meerwasser-Aquaristik diesen Weg erspart, sollte sich jeder Aquarianer kritisch fragen, ob die von der Natur gegebenen Farben nicht völlig ausreichend und attraktiv genug für das Heimaquarium sind.

Wir sollten alle die Vorteile von Nachzuchttieren nutzen und die drohenden Nachteile können wir glücklicherweise selbst von vornherein unterbinden.

Denn Meerwasser-Aquaristik bedeutet nicht nur ein farbenfrohes Riff, sondern auch Verantwortung: Nur durch verantwortungsvollen Umgang können der Handel und der Hobbyaquarianer gemeinsam etwas bewegen und unser schönes Hobby erhalten.

Meerwasseraquarium in der Kritik: Wir haben es selbst in der Hand!

Diesen Blogartikel gibt es auch als PODCAST Ist die Meerwasseraquaristik bedroht? 

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PS:

Gerne stehen wir Ihnen als kompetenter Partner für individuellen, professionellen Aquariumbau, Tierbesatz und Aquariumwartung zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns für einen persönlichen Beratungstermin gerne telefonisch unter 089/88 96 90 67 00 oder senden Sie uns eine E-Mail an info@aquariumwest.de.

Wir freuen uns auf Sie!

Ihr
Markus Mahl
Geschäftsfüher
Aquarium West GmbH
Weinbergerstrasse 57
81241 München

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